
Écarté: die Regeln
Écarté klar erklärt: Vorbereitung, Spielablauf, Punktewertung und Varianten, mit unseren Tipps für den Einstieg.
Aktualisiert am 29. März 2026
📋 Sommaire
Écarté ist ein Kartenspiel für zwei Personen, das mit einem 32-Karten-Blatt mit französischen Farben gespielt wird: Herz, Karo, Pik und Kreuz. Jeder Spieler erhält fünf Karten, eine weitere Karte wird aufgedeckt und bestimmt die Trumpffarbe, und es gilt, mindestens drei der fünf Stiche zu gewinnen.
Die Kartenrangfolge ist ungewöhnlich und sollte als Erstes sitzen. In jeder Farbe gilt von hoch nach niedrig: König, Dame, Bube, Ass, Zehn, Neun, Acht, Sieben. Das Ass ist hier also nicht die höchste Karte — es steht unter dem Buben.
Ziel des Spiels
Ziel ist es, in jeder Runde mindestens drei der fünf Stiche zu gewinnen. Alle fünf Stiche zählen mehr, und die Partie geht über mehrere Runden bis zu einer vereinbarten Punktzahl.
Vorbereitung
Jeder Spieler bekommt fünf Karten, üblicherweise in zwei Portionen zu zwei und drei. Die nächste Karte wird offen auf den Rest des Stapels gelegt: Ihre Farbe ist für die gesamte Runde Trumpf. Die übrigen Karten bleiben als Talon liegen und werden für den Kartentausch gebraucht.
Nach den klassischen Regeln erhält der Geber sofort einen Punkt, wenn die aufgedeckte Karte ein König ist. Ebenso darf ein Spieler, der den Trumpfkönig auf der Hand hält, ihn ansagen und dafür einen Punkt notieren — allerdings nur, bevor er seine erste Karte spielt. Wer die Ansage vergisst, verliert den Punkt.
Der Kartentausch (écarter)
Bevor die erste Karte gespielt wird, kann der Nichtgeber sein Blatt so annehmen, wie es ist, oder den Tausch vorschlagen. Der Geber darf annehmen oder ablehnen.
- Nimmt er an, legt jeder Spieler beliebig viele Karten ab und zieht ebenso viele vom Talon nach. Der Vorgang darf wiederholt werden, solange beide einverstanden sind und genug Karten übrig sind.
- Lehnt er ab, wird die Runde genau mit den ausgeteilten Blättern gespielt.
Diese Ablehnung ist eine Verpflichtung: Wer den Tausch ablehnt — oder von vornherein ohne Vorschlag spielt — und dann keine drei Stiche macht, überlässt dem Gegner nach den klassischen Regeln zwei Punkte statt einem. Aus genau diesem Tausch leitet sich auch der Name ab: Findet keiner der beiden sein Blatt gut genug für drei Stiche, dürfen beide écarter, also ablegen und neue Karten nehmen.
Spielablauf
Der Nichtgeber spielt zum ersten Stich aus. Jeder Stich besteht aus zwei Karten, und wer einen Stich gewinnt, spielt zum nächsten aus.
Die Spielzwänge sind strenger als in den meisten Stichspielen, und daran scheitern Anfänger am häufigsten: Es besteht Farbzwang und zusätzlich Stichzwang — wer eine höhere Karte der angespielten Farbe hat, muss sie legen. Wer die Farbe nicht bedienen kann, muss stechen. Abwerfen ist nur erlaubt, wenn man weder die angespielte Farbe noch einen Trumpf besitzt.
Den Stich gewinnt die höchste Karte der angespielten Farbe oder der höhere Trumpf, falls gestochen wurde.
Punktewertung und Spielende
Die Wertung je Runde ist knapp:
- Drei oder vier Stiche bringen 1 Punkt.
- Alle fünf Stiche — la vole — bringen 2 Punkte.
- Der Punkt für den König, aufgedeckt oder angesagt, kommt hinzu.
- Wer den Tausch abgelehnt oder ohne Vorschlag gespielt hat und keine drei Stiche macht, gibt 2 Punkte ab.
Gespielt wird üblicherweise bis 5 Punkte. Die Feinheiten der Wertung unterscheiden sich von Zirkel zu Zirkel — vor der ersten Runde sollte man sich also darauf verständigen.
Verbreitete Varianten
Écarté kennt keinen so großen Variantenkatalog wie andere Klassiker; was sich vor allem unterscheidet, sind die Wertung und die Zielpunktzahl der Partie. Ein ausführliches modernes Regelwerk hat Roland Scheicher auf Deutsch verfasst; eine gekürzte Fassung davon findet sich in der deutschsprachigen Wikipedia.
Ein Stück Geschichte
Écarté war im Paris des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Glücksspiel. In Deutschland hielt es sich bis in die 1960er Jahre, und zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird es in Frankreich noch in einigen cercles de jeu gespielt. Wie fest es im 19. Jahrhundert verankert war, zeigt ein eigener Eintrag in der Ausgabe der Encyclopedia Britannica von 1911. Das sehr kurze Format — nur fünf Stiche pro Runde — machte es für Spieltische ideal, an denen es auf schnelle Partien ankam.
Wo man das Spiel bekommt
Für Écarté braucht es kein besonderes Material, ein einfaches 32-Karten-Blatt genügt: 32-Karten-Set Écarté auf Amazon.de
Anfängerfehler, die man vermeiden sollte
- Das Ass für die höchste Karte halten: Bei Écarté steht es erst an vierter Stelle, hinter König, Dame und Bube.
- Die Ansage des Trumpfkönigs vergessen — sie zählt nur vor der ersten gespielten Karte.
- Abwerfen, statt zu stechen: Ohne die angespielte Farbe ist der Trumpf Pflicht, sofern man einen hat.
- Den Tausch mit einem mittelmäßigen Blatt ablehnen. Die Ablehnung verpflichtet zu drei Stichen, und ein Fehlschlag kostet zwei Punkte.
FAQ
Wie wird die Trumpffarbe bestimmt? Durch die Karte, die nach dem Austeilen aufgedeckt wird. Es gibt kein Reizen — Trumpf wird nicht gewählt, sondern gezogen.
Was passiert, wenn ich die angespielte Farbe nicht bedienen kann? Dann muss gestochen werden, sofern man einen Trumpf besitzt. Abwerfen darf man nur ohne Farbe und ohne Trumpf.
Was bedeutet „écarter"? Ablegen. Beide Spieler dürfen unerwünschte Karten abgeben und ebenso viele nachziehen, wenn keiner sein Blatt für drei Stiche gut genug hält.
Kann der Tausch mehrfach stattfinden? Ja, solange beide Spieler einverstanden sind und der Talon noch Karten hergibt.
Kann man Écarté zu dritt spielen? Nein, Écarté ist ein reines Zweipersonenspiel; eine Standardfassung für mehr Spieler gibt es nicht.
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